Der laterale Drahttest für Einsteiger

Ich komme immer etwas ins Schleudern, wenn ich andere Werkstatt-Blogs lese und die Autoren bei mir Fachwissen in ihrem speziellen Hobby voraussetzen, dass ich leider nicht vorweisen kann. Nachdem ich ein paar meiner vorangegangenen Posts in diesem Blog gelesen habe, scheint das bei mir ebenfalls der Fall zu sein :-(

Also, hier eine kleine Einführung für diejenigen, die diesen Blog lesen, weil sie einfach nur daran interessiert sind, was so in anderen Hobby-Werkstätten so los ist: Ich baue mir gerade ein astronomisches Spiegel-Teleskop. Die Spiegel für solche Teleskope müssen sehr genau gearbeitet werden – sehr, sehr genau – auf einige wenige Nanometer genau. Mit dem Zollstock kommt man da leider nicht weit ;-)

Glücklicher Weise haben sich fähigere Optiker als ich es bin einige recht einfache Mess- und Prüfmethoden einfallen lassen, mit denen man heraus finden kann, ob man auf dem richtigen Weg ist. Zu den für Amateure wichtigsten optischen Tests gehören z.B. der Foucault-Test oder der Ronchi-Test. Leider hat der von mir geplante Hauptspiegel eine extrem kurze Brennweite, was dazu führt, dass die “normalen” Tests einfach zu ungenau sind. Deshalb habe ich mich entschieden zum Testen dieses Spiegels den lateralen Drahttest einzusetzen. Fragt mich bitte nicht, wieso die meisten anderen anderen Tests nach den entsprechenden “Erfindern” benannt sind, während der laterale Drahttest nicht Francis-Test heißt…

Gut, der laterale Drahttest ist wirklich nicht besonders weit verbreitet und es umgibt ihn eine Art mystische Aura. Die Suchmaschine Google findet für den Begriff “Lateraler Drahttest” momentan 17 Ergebnisse, für “lateral wire test” findet sie immerhin 187 Ergebnisse – der Informationspool ist also nicht gerade groß. Andererseits ist das Prinzip aber auch nicht so furchtbar kompliziert:

Ein Teleskopspiegel hat im Prinzip die Form eines Kugelabschnitts. Wenn man nun in Zentrum dieser (gedachten) Kugel eine kleine Lichtquelle platziert, dann werden alle Strahlen, die von der Lichtquelle ausgehen vom Spiegel ganz genau auf die Lichtquelle zurückgeworfen.
[Wenn das bis hierher unverständlich ist, schreib bitte einen Kommentar]

Geht man etwas vom Kugelzentrum weg und platziert vor der Lichtquelle einen dünnen Draht, so ist der Schatten des Drahtes mittig auf dem Spiegel zu sehen. Verschiebt man Lichtquelle und Draht etwas seitlich (lateral), dann verschiebt sich auch die Position des Schattens auf dem Spiegel.
[Wenn das bis hierher unverständlich ist, schreib bitte einen Kommentar]

Wenn der Spiegel nun nicht ganz genau der Form eines Kugelabschnitts entspricht, dann wandert der Schatten etwas weiter (oder nicht ganz so weit) wie er sollte. Das ist (vereinfacht beschrieben) das Konzept des lateralen Drahttests.
[Bis hierher alles verstanden? Dann weißt du jetzt, wie der sagenumwobene laterale Drahttest funktioniert]

Leider war es das aber immer noch nicht ganz. Der Spiegel, den ich geplant habe, soll eine bestimmte Abweichung von der sphärischen Form eines Kugelabschnitts haben. Genauer gesagt er soll die Form eines Hyperboloiden, (in der Mitte etwas tiefer, am Rand etwas flacher) erhalten. Mit dem lateralen Drahttest muss ich nun beim Polieren des Spiegels ständig prüfen, ob ich diese Form endlich errecht habe.


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