Miranda: Cassegrain Hauptspiegel durchbohren

Inzwischen könnte ich wahrscheinlich im Schlaf einen Teleskopspiegel schleifen. Wenn man es erst ein paar mal gemacht hat, fehlt einem jegliche Scheu ein solches, eigentlich doch sehr komplexes Projekt, anzugehen. Ganz anders sieht es da bei mir mit dem Bohren der zentralen Perforation meines Cassegrain Hauptspiegels aus. Nachdem ich diese Aktion nun schon seit dem 27. Februar (also fast einen Monat) vorbereite, soll es heute aber endlich los gehen. Zunächst bestimmte ich die Mitte des Spiegels und zeichnete mit allerlei Hilfsmitteln die gewünschte Position des Lochs auf der Rückseite des Spiegels an. Das Ganze zog sich letztlich länger hin als später das eigentliche Bohren, weil sich heraus stellte, dass der Spiegel nicht ganz genau rund ist. Die Abweichung vom Kreis beträgt aber zum Glück nur einige wenige zehntel Millimeter.

Anzeichnen

Als nächstes baute ich die Tischbohrmaschine mit dem gerade neu gebauten Bohrständer im Freien auf, um beim Bohren ungestört mit Wasser herum plantschen zu können.

Bohrständer

Die Bohrmaschine stellte ich auf die kleinste möglichste Umdrehungszahl ein, nämlich 280 U/min. Eigentlich ist das für mein Gefühl noch etwas zu schnell, aber eine kleinere Drehzahl ist nun einmal mit meiner Bohrmaschine nicht zu erreichen.

20070324cassegrain-bohren-03.jpg

Der Spiegel hat eine Dicke von 25mm, auf der Vorderseite habe ich ihn schon um 7,5mm ausgehöhlt, also bleiben in der Mitte noch ca 17,5mm Material übrig. Eigentlich hatte ich geplant das zentrale Loch von der Rückseite her etwa 10 bis 12mm tief anzubohren. Den Rest möchte ich dann nach dem Polieren und Hyperbolisieren von der Vorderseite aus bohren. Nachdem ich aber in weniger als 20 Minuten schon fast 9mm tief vorgedrungen war, bekam ich Bedenken, dass der Bohrkern ungewollt herausbrechen könnte und ich ließ es bei dieser Tiefe bewenden.

Spiegel angebohrt

Im Großen und Ganzen verlief das Bohren etwa so, wie ich es mir vorgenommen hatte. Der neue Bohrständer ist stabil genug und funktioniert bestens. Mit der diamantbesetzte Bohrkrone bin ich weniger zufrieden. Immer wieder löste sich Material von der Spitze der Bohrkrone und bahnte sich dann knirschend seinen Weg aus dem Bohrloch an die Oberfläche. Ich erwäge die Bohrung von der anderen Seite mit einem selbst gebauten Bohrer und Karbo zu machen, wie ich es schon früher beim Ausschneiden von kleinen Planspiegel-Rohlingen ausprobiert hatte. Alles in Allem ist meine Sorge wegen der Rückrunde, also dem vollständigen Durchbohren des Spiegels von der Vorderseite, nicht gerade kleiner geworden.

Während ich bohrte hat meine Herzallerliebste mit unserer kleinen Digiknipse ein paar Videos aufgenommen, von denen ich gerade eines zu Youtube hoch geladen habe.


5 comments to Miranda: Cassegrain Hauptspiegel durchbohren

  • Apropos Bohrmaschine und Drehzahl: Ich besitze ein ähnliches Modell aus der €50,- Kategorie, dass wir kürzlich mittels ausrangierten Industrie-Frequenzumrichters deutlich aufgewertet haben: Sanftanlauf, Motorstop, Drehzahleinstellung per Poti, LED-Funktionsanzeige,…

    Falls Dir mal so ein FU in die Hände fallen sollte, kann ich den Umbau unbedingt empfehlen. Insbesondere ist damit natürlich ein wesentlich größerer Drehzahlbereich möglich. Auch nach unten!

    Außerdem besitzt nicht jeder eine Bohrmaschine, die nach dem Einschalten erstmal drei Sekunden lang “bootet”;-)

  • Eine Bohrmaschine, die erst ihr Linux hochfährt, bevor sie startet. Klasse, sowas will ich auch haben ;-)

    Die Geschichte mit dem Frequenzumrichter hört sich echt interessant an! Habe gleich mal bei eBay nachgesehen, wieviel sowas kostet – ist leider etwas teuer. Ich muss mal meine Elektriker-Kumpels fragen, ob bei denen sowas gelegentlich in der Abfalltonne landet.

  • [...] Auf dem Bild sieht man meinen kleinen Schweiß-Schraubstock und die Werkstücke kaum, aber soweit ich weiß kann man die Bilder anklicken um sie zu vergrößern. Anschließend schraubte ich die neue Säule auf ein Reststück Multiplx-Birke und fertig war der neue Bohrständer. Naja, ganz fertig war er damit natürlich noch nicht, denn ich möchte meinen Spiegel ja unter den eigentlichen Bohrständer schieben können. Auf diesem Bild sieht man den fertigen Ständer. Unterhalb der Säule des Bohrständers ist jetzt Platz um auch größere Werkstücke bearbeiten zu können. Glasstaub ist ein extrem krebserregender Stoff! Deshalb muss man unter allen Umständen verhindern, dass etwas davon in die Lungen kommt. Ich habe vor das unter anderem dadurch zu verhindern, dass ich ihn gar nicht erst entstehen lasse. Ich werde das Loch deshalb unter fließendem Wasser bohren. Ein weiterer Grund für diese Konstruktion ist auch, dass es nötig ist die Bohrstelle ausreichend zu kühlen, um unerwünschte Veränderungen in der Struktur des Glases zu vermeiden. Und so sieht mein neuer Bohrständer aus, wenn er fertig ist. Der Spiegel steht noch in meinem Büro, deshalb musste das Schleifwerkzeug erst mal als Demonstrationsobjekt herhalten. Follow up: Cassegrain Hauptspiegel durchbohren [...]

  • [...] ich beim Bohren meines Cassegrain-Spiegels sehr viel Kühlwasser (wirklich sehr sehr viel Kühlwasser eingesetzt hatte, war [...]

  • Matty

    Habe jetzt hier ziemlich viele Beiträge gelesen und muss sagen, ist echt das Wahnsinn was du an Wissen weitergibst. Hast du mal drüber nachgedacht, ein Handwerker Buch zu schreiben?

    Aufjedenfall sehr cool. Habe jede Menge Ideen aufgeschnappt die ich – wenns mal wieder sommer ist – auch umsetzen will.

    Gruß Matty

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